Alle meine Patienten sagen dasselbe: Der Schmerz ist morgens am schlimmsten. Beim ersten Schritt.
Das macht Sinn. So fühlt es sich an. Ein scharfes, brennendes Ziehen direkt an der Ferse, wie ein Nagel, der getroffen wird.
Aber hier ist das, was ich in meiner Praxis über Plantarfasziitis gelernt habe, und was ich selten so erklärt höre:
Der Schmerz, den du morgens spürst, entsteht nicht morgens.
Er entsteht nachts. Stunde für Stunde. Während du schläfst.
Lass mich das erklären.
Die Plantarfaszie ist das dicke Bindegewebe, das die Unterseite des Fußes zusammenhält. Von der Ferse bis zu den Zehenköpfen. Bei Plantarfasziitis ist dieses Gewebe dauerhaft gereizt und hat kleinste Mikrorisse.
Jetzt der entscheidende Punkt, der in keiner Patientenbroschüre steht, die ich je gelesen habe:
Die Plantarfaszie hat kaum eine eigene Blutversorgung. Sie ist das, was in der Orthopädie "schlecht vaskularisiertes Gewebe" genannt wird. Das bedeutet: Sie heilt langsam. Viel langsamer als ein Muskel. Und sie heilt am effektivsten, wenn sie Wärme und Durchblutung bekommt.
Tagsüber, wenn du auf den Beinen bist, passiert zumindest etwas: Belastung, Bewegung, etwas Durchblutung.
Abends legst du dich hin.
Und dann passiert das, was du nicht spürst, aber was deinen nächsten Morgen bestimmt:
Die Faszie verkürzt sich. Stunde für Stunde. Weil sie keine Wärme bekommt. Keine Bewegung. Keine Durchblutung. Sie liegt dort. Unversorgt. Und zieht sich zusammen.
Wenn du morgens den ersten Schritt machst, wird diese verkürzte, verhärtete Faszie ruckartig aus ihrer Position herausgerissen.
Das ist das Stechen. Das Brennen. Der Nagel in der Ferse.
Nicht weil dein Körper kaputt ist. Sondern weil die Faszie jede Nacht unversorgt einschläft.